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Japanese Devils

Japanese Devils ist ein Dokumentarfilm von Minoru Matsui von 2001 und beinhaltet hauptsächlich Interviews mit Veteranen aus der Zeit des japanischen Imperialismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

In dieser Zeit hat Japan vor allem in China systematisch Kriegsverbrechen begannen, Millionen von unschuldigen Zivilisten ausgebeutet und getötet sowie verschiedene medizinische-, chemische und biologische Experimente an ihnen durchgeführt.

Der Dokumentarfilme sammelt die Aussagen von 14 Veteranen, die alle von einem Krieg berichten, der seinen Gegner jegliche Menschenrechte und -Würde abspricht und alles umbringt -egal ob Mann oder Frau, alt oder jung, Bauer oder Soldat.

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Gegen Ende des 20. Jahrhunderts kämpften die westlichen Imperialmächte um Einfluss in Ostasien. Zu dieser Zeit erzwang Matthew C. Perry die Öffnung Japans, das Shogunat wurde gestürzt und der wieder eingesetzte Meiji-Kaiser leitete eine rasante Modernisierung ein. Japan mischte sich darauf in den Imperialismus ein und träumte von einem grossen japanischen Reich, das ganz Ostasien umfassen sollte. 1910 annexierte Japan Korea, nam am ersten Weltkrieg in China teil und installierte 1931 nach einer Invasion einen Puppenstaat in der Mandschurei.

Die Interviews in Japanese Devils befassen sich aber mit der Zeit zwischen 1937 bis 1947 und dem zweiten Sino-Japanischen Krieg und dem Zweiten Weltkrieg, während der Japan zwischen 3 bis über 10 Millionen Chinesen, Indonesen, Koreaner, Philippinos und Indochinesen tötete. Die Aggressionen richteten sich dabei vor allem gegen die Chinesen und deren kommunistischen Wiederstand. Während von Japans Kriegsgefangenen durchschnittlich knapp 30% starben, kamen von den chinesischen Gefangenen lediglich 56 bei Japans Kapitulation frei. Von 1942 bis 1947 galt dazu die Sanko Sakusen (die Drei-Alles-Strategie: Alles Töten, Alles Verbrennen, Alles Plündern), mit der etliche chinesische Dörfer komplett ausgelöscht wurden. Das bekannteste Massaker ist das nach der Besetzung der Stadt Nanking, bei dem innerhalb von sechs Wochen mindestens 200’000 Zivilisten ermordet und 20’000 Frauen vergewaltigt wurden.

Dazu kamen Experimente in der biologischen Kriegsführung mit Cholera, Anthrax oder der Pest, die an lebenden Gefangenen ausprobiert und dann grossflächig eingesetzt wurden. Auch Folter von unschuldigen, Vergewaltigung und Nötigung zur Prostitution, wahllose Tötung von Zivilsten oder die Tötung von Gefangenen für medizinische Ausbildung und Forschung oder schlicht zur Ausbildung neuer Soldaten gehörten zur Tagesordnung.

Die 14 Veteranen, die in Japanese Devils interviewt werden, stammen aus den unterschiedlichsten Schichten und besetzten die unterschiedlichsten Ränge im Militär. Was sie erzählen ist aber immer ähnlich: Demütigung, sozialer Zwang, der erste Mord, wie sich nach dem 20. Mord eine Routine einstellt und sie das Töten zu geniessen beginnen. Dazu etliche Anekdoten bei denen sie Kinder, Frauen, Alte und hilflose Leute umgebracht haben – teilweise einfach erschossen, teilweise zuerst vergewaltigt, als Arbeitskraft ausgebeutet, gefoltert und dann ermordet. Gegen ende des Krieges, als die Versorgungslinien unter Chinesisch-Amerikanischen Druck abbrachen, gibt es auch Berichte von Kannibalismus und auch einer der Veteranen aus den Interviews gesteht, eine junge Frau seiner Truppe als Schweinefleisch zum Essen geben zu haben.

Diese Berichte sind schockierend und grausam, was bei den Interviews aber noch mehr unter die Haut geht ist die nahe Distanz zu den Interviewten. Sie sind schon lange wieder in die Gesellschaft integriert, haben geheiratet, Kinder und Enkelkinder bekommen. Sie waren normale Leute, bevor sie in den Krieg gezogen sind, und sind seither wieder zu normalen Leuten geworden. Für alle war die erste Tötung ein Schock, doch bald wurden sie vom ständigen Töten abgestumpft und rechtfertigten sich mit dem göttlichen Befehl vom Kaiser oder indem sie den Chinesen ihre Menschlichkeit absprachen.

Eindrücklich ist die Ehrlichkeit, mit der sie ihre Taten schildern und mit der sie zur Abscheulichkeit dieser stehen. Sie leiden unter den Erinnerungen, haben auch deshalb wahrscheinlich zu den Interviews zugesagt, erzählen aber oft mit Heiterkeit von den Kriegsverbrechen, womöglich weil sie nur so diese überhaupt erzählen können.

Die Ehrlichkeit zeigt aber auch das spezielle Kilma in Japan bezüglich dieser Kriegsverbrechen. Noch immer tut sich Japan schwer mit einer klaren und deutlichen Entschuldigung und die Interviewten hätten problemlos schweigen und ihre Erinnerungen ins Grab mitnehmen können. Am ehesten werden sie dann auch von den Nationalisten als Landesverräter beschimpft, wobei ihre Aussagen in ihrem Umfeld aber sicher viel auslösen können und dafür viel Mut benötigten.

Auch wenn Japan in den letzten Jahren viele Fortschritte in der Aufarbeitung ihrer Kriegsverbrechen gemacht hat, bleibt das ein sensibles Thema, das die Beziehungen zwischen Japan und China sowie Korea schwer belastet. Aktuelle Kontroversen sind zum Beispiel die Trostfrauen, welche in japanischen Bordellen zwangsprostituiert wurden und deren Unfreiwilligkeit 2007 von damaligen Permier Shinzo Abe abgestritten wurde. Oder die noch immer  offenen Fragen bezüglich der Beteiligung des Kaisers Hirohito, welcher nach der Verfassung und wahrscheinlich auch in der Realität die volle Kontrolle über die Armee hatte, in der Nachkriegszeit aber als machtlose Puppe umgedeutet wurde und nie Rechenschaft ablegen musste.

Japanese Devils ist wegen der Nähe zu den interviewten Veteranen, der Abscheulichkeit ihrer Taten, dem Verzicht auf jegliche dramaturgische Unterstützung der Interviews und der fast drei Stunden Dauer ein Dokumentarfilm der unter die Haut geht. Die Veteranen brachen ihr schweigen, um die Wiederholung eines solchen Krieges zu verhindern. Indem sie eindrücklich zeigen, wie normale Leute zu Kriegsverbrechen werdern können, ist Japanese Devils ein bedrückendes Argument gegen jeglichen Krieg.

Eine gute Übersicht über das ganze Thema findet man auf Wikipedia: Englisch / Deutsch.

von Adrian am 24.01.2011 in Film, Japan
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2 Kommentare

• Suzu

Danke für das Review. Ich interessiere mich schon länger dafür was Krieg aus Menschen macht. Ich bin nicht so sicher ob ich es schaffe den Film an einem Stück anzusehen aber ich notiere in mir mal. The gretaest silence muss ich ja auch noch anschauen, der ist mindestens so hart ^^’

[...] Über Japanese Devils habe ich hier bereits schon geschrieben. [...]

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